Wem gehört der Wald?

 

Ein Planspiel zu Ressourcenkonflikten in Südamerika

wemgehoertderWald

Am 01. März nahmen der Politik Leistungskurs und der Geografiekurs gemeinsam an einem Planspiel des EPIZ (Entwicklungspolitisches Bildungs- und Informationszentrum) teil. Ziel war es, ein besseres Verständnis für gesellschaftspolitische Konflikte zu entwickeln und sich einmal in die Rollen der verschiedenen Akteure hineinzuversetzen.

Unsere auf realen Hintergründen basierende Geschichte spielte in Peru, es handelte sich um einen sowohl ökologischen und ökonomischen als auch kulturell-sozialen Konflikt. Das konkrete Problem, vor welches wir gestellt werden sollten, sah demnach folgendermaßen aus: Die peruanische Regierung stand aufgrund innerer Konflikte, besonders aber der extremen Armut und Arbeitslosigkeit der Bevölkerung vor einer politischen Krise. Um der Wirtschaft zu Aufschwung zu verhelfen, plante man, 2000 Hektar des Amazonas an ein privates Forstunternehmen zu übergeben, welches anschließend das gewonnene Holz bestmöglich verkaufen sollte. Widerspruch kam von den Awajún, einem der vielen indigenen Völker Perus, welches in diesem Wald seinen Lebensraum sieht. Positiv eingestellt waren hingegen Teile der Bevölkerung, welche sich von dem gewählten Forstunternehmen Arbeitsplätze, demnach Zukunftsperspektiven, erhofften. Unser Planspiel beinhaltete also sieben Gruppen: die Regierung, das ökonomisch fokussierte Forstunternehmen Super Timber AG und, als sein Konkurrent, die nachhaltigere Green Tree Group; die Mehrheitsgesellschaft, die AktivistInnen der Awajún, die regierungstreue Presse „Republik“ sowie die ihr gegenüber kritisch eingestellte „Marañón“.

Nach der Rollenverteilung begaben wir uns gruppenintern in die erste Arbeitsphase, beschäftigten uns mit der jeweiligen Identität, Strategie und den so aufgestellten Forderungen und Zielen. Anschließend war es uns erlaubt, mit anderen Gruppen Kontakt aufzunehmen – dies aber ausschließlich postalisch.  So konnten erste Angebote überliefert, erste Wünsche geäußert werden. Nach einiger Zeit gingen wir über in die offene Verhandlungsphase, mussten aber getreu des Realitätsbezugs sämtliche Gespräche per Post anfragen. Ausgenommen hiervon war die Presse, welche auch überraschend und ohne Einladung an Gesprächen teilnehmen oder auch nur zuhören durfte.

Hierbei entwickelten wir Verständnis für die tatsächliche Komplexität solcher Konflikte im realen Leben. Durch die Auseinandersetzung mit sämtlichen Gruppen und deren Ansichten schien das Erreichen einer fairen und gemeinsamen Lösung immer unwahrscheinlicher. Wir diskutierten Prozente, gaben Versprechen, welche kaum zu halten waren, blieben starr bei unseren eigenen Standpunkten. Trotz allem berief die Regierung schlussendlich die Vollversammlung ein, auf welcher allen Gruppen die Möglichkeit eines letzten Statements eingeräumt wurde, bevor man sich zur finalen Entscheidung durchringen wollte. Auch hier waren wir wieder überrascht, von gewissen Gesprächspartnern etwa Aussagen zu hören, welche den jeweiligen Verhandlungsergebnisse widersprachen. Ebenso überraschend war die Entscheidung der Regierung, welche aber dennoch von allen Parteien mehr oder weniger akzeptiert wurde. Die anschließende Nachbesprechung, bei welcher wir auch die Weiterentwicklung der realen Situation erfuhren, ermöglichte weitere Diskussionen zu den hier allgemein aufgegriffenen gesellschaftlichen Fragen. Insgesamt war es ein sehr intensiver, interessanter Workshop, aus dem wir sicherlich alle etwas mitnehmen konnten.