Klassenmusizieren an der katholischen Schule St. Franziskus

von Anja Hofbauer

Seit 2001 unterrichte ich hauptsächlich Musik an der katholischen Schule St. Franziskus in Berlin Schöneberg. Meine Methode der Wahl ist seit vielen Jahren das Klassenmusizieren. Schon im Referendariat lag der Schwerpunkt meiner damaligen Fachseminarleiterin Frau Wanjura – Hübner auf dem Thema Klassenmusizieren, sodass ich ein sehr gutes methodisches „Handwerkszeug“ in dieser Zeit erlernen konnte. Auch an meiner damaligen Ausbildungsschule der „Papageno“ – Grundschule in Berlin Mitte konnte ich beobachten, wie vielseitig einsetzbar diese Methode ist und wie gewinnbringend der Musikunterricht dadurch für alle Beteiligten ist.

Im Mittelpunkt meiner Unterrichtstätigkeit steht das gemeinsame Musizieren. Die Schüler arbeiten an ihren jeweiligen Instrumenten und ich kann in dieser Zeit einzelnen Schülern Hilfestellung geben oder mir die zu übende Passage vorspielen lassen. So gelingt es oft, aus dem Focus der doch häufig immer anleitenden Musiklehrkraft zu treten und einzutauchen in den musikalischen Prozess.

Dies erfordert natürlich ein enges Regelwerk, klare Strukturen und Rituale, um nicht im Chaos zu versinken. Wenn ich eine mir unbekannte Musikklasse (meist in der 4. Jahrgangstufe) übernehme, trainiere ich zunächst diese Regeln, den Umgang mit Instrumenten, die Schlägelhaltung, das Ein- und Ausräumen der Instrumente und ganz wichtig das Signal „Schlägel hoch“, wenn ich am Klavier eine Kadenz spiele, um jederzeit Ruhe herstellen zu können.

Je kleinschrittiger und durchsichtiger das methodische Vorgehen, desto größer ist der Lernerfolg. Inhaltlich arbeite ich mit meinen Schülern viel am Thema Liedbegleitung. Außerdem lege ich einen großen Schwerpunkt auf das instrumentale Gruppenmusizieren, bei dem die Schüler eigene Kompositionsaufgaben erhalten oder eine Parakomposition zu einem bestimmten Werk (z. B. Gustav Holst „Die Planeten“) erarbeiten oder einen „Spiel – mit –Satz“ zu einem Werk arbeitsteilig selbständig bearbeiten, einen Werbejingle oder Leitmotive aus der Filmmusik spielen. Die musiktheoretischen Grundlagen erarbeiten sich die Kinder so immer durch das eigene praktische Arbeit am jeweiligen Instrument.

Wenn die Klasse dann gemeinsam musiziert, das Ergebnis schön klingt und die Kinder im musikalischen Tun konzentriert „versinken“, ist das immer ein sehr schöner Moment für mich.

Musizieren_Klasse10Seit diesem Halbjahr arbeite ich mit meinem Wahlpflichtkurs Musik der 10. Jahrgangstufe mit einer Loop – Station. Dadurch ergeben sich viele (für mich) neue Möglichkeiten des gemeinsamen Musizierens. Die sofortige Aufnahme und Wiedergabe eines meist viertaktigen instrumentalen oder vokalen Loops eröffnet die Chance, viele Stimmen übereinander zu schichten, sich den Zusammenklang anzuhören, darüber zu improvisieren, einzelne Spuren oder das Ergebnis unkompliziert wieder zu löschen und neu zu probieren. So ist es z.B. möglich, eine mehrstimmige Passage eines Chorarrangements nacheinander einstimmig zu erarbeiten, es aufzunehmen und an jeder beliebigen Stelle des Stückes z.B. zu einer Solopassage als Background einzuspielen.

 

Anja Hofbauer
Vorstandsmitglied im Landesverband des BMU ( Bundesverband Musikunterricht)