Eine katholische Kirche als Galerie?

hig15_kre1Unser erster Eindruck von St. Agnes, der ehemaligen katholischen Kirche in der Alexandrinen- straße in Kreuzberg:  abweisend, unansehnlich, ein grauer Betonklotz, umgeben von weiteren grauen Gebäudekomplexen.

Die Bezeichnung „Brutalismus“ für den Baustil erscheint uns vom Begriff her äußerst zutreffend für diesen mächtigen Klotz. Entworfen wurde der graue Kirchenbau 1967 von Werner Düttmann, dem Architekten des Brücke-Museums und der Akademie der Künste.

Im Zuge der Einsparungen trennte sich das Bistum 2011 von diesem schon maroden Kirchenbau und verpachtete ihn an den jungen Galeristen Johann König. Dieser ließ das denkmalgeschützte Gebäude bis Mai 2015 in eine großräumige und lichtdurchflutete Galerie umbauen.

hig15_kre3Das große Kirchenschiff erhielt eine Zwischendecke, so dass sich zwei Ausstellungs- bzw. Veranstaltungsebenen  ergaben. Auf dem Areal finden außerdem Büroräume, ein Café und Studienräume für New Yorker Kunststudenten ihren Platz. Das ehemalige Pfarrhaus dient nundem 34-jährigen Galeristen als Wohnhaus.

Im Obergeschoss der neuen Galerie befindet sich zur Zeit die Ausstellung „The smoking Kid“ von Katharina Grosse. Die Künstlerin präsentiert farbintensive, mehrfach geschichtete Werke in riesigem Format. Die in 1968 in Freiburg geborene und nun in Berlin lebende Malerin findet auch auf internationalem Parkett mit ihren Werken große Anerkennung, so beispielsweise auf den Biennalen in Venedig, Sao Paulo, in New Orleans und Sidney.

hig15_kre4Ihre farbenfrohen, teilweise gesprayten Kunstwerke bilden einen starken Kontrast zu der grauen, tristen Betonarchitektur von St. Agnes. Durch den hohen und mit viel Tageslicht von oben beleuchteten Raum des Obergeschosses kommen die Größe und die Farbintensität gut zur Geltung.

Auch wenn das Konzept, eine Kirche in eine Galerie für moderne Kunst umzuwandeln, einem auf den ersten Blick recht ungewöhnlich erscheint, so ist der sich bildende Kontrast zwischen tristem Äußeren und strahlend bunten Kunstwerken im Inneren durchaus beeindruckend und überzeugte uns.

Lisa und Marie, 11. (BK-Kurs Frau Trippel)